Studierendenversammlung                          an der FSU Jena        

Statement zur Studierendenvollversammlung 2019

Am 26.11.2019 fand im Rahmen der Public Climate School eine Studierendenversammlung zu mehr Klimagerechtigkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) statt.

Wir, das Organisationsteam der Veranstaltung, wollten an diesem Abend mit den Studierenden in Dialog über mögliche Forderungen für einen nachhaltigeren Universitätsbetrieb treten. Fast 1200 Studierende folgten unserem Aufruf über dieses Thema zu diskutieren und ihre Stimme geltend zu machen. Unserer Meinung nach spiegelt die alle Erwartungen übertreffende Beteiligung die starke Relevanz des Klimawandels für die Studierenden wider.

Angesichts der Herausforderungen, die ein solches basisdemokratisches Format mit der momentan geltenden Satzung des StuRa mit sich bringt, war es leider nicht möglich, die Kriterien einer formellen Vollversammlung zu erfüllen. Dennoch haben wir alles darangesetzt, eine demokratische Entscheidungsfindung zu gewährleisten, was stellenweise zu einer Verzögerung des Prozesses führte. Für die Verzögerungen und Unklarheiten möchten wir uns bei allen Teilnehmenden entschuldigen.

Trotz aller Hürden haben über 900 Teilnehmende uns mit der Abgabe ihrer Stimme gezeigt, dass sie mit einer überwältigenden Mehrheit hinter den Forderungen für mehr Klimaschutz an der FSU stehen. Davon hat die Hälfte die kompletten 4 ½ Stunden aktiv an der Versammlung teilgenommen und sich in den Diskurs eingebracht. Die genaue Auszählung sowie die endgültigen Forderungen könnt ihr unter diesem Beitrag einsehen. Wir hoffen, dass der Studierendenrat diese Forderungen im Sinne der Studierendenschaft seiner nächsten Sitzung am 03.12.2019 beschließt, und sie im Anschluss an die Universitätsleitung übermittelt.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Helferinnen und Helfern, für das Engagement des Multimediazentrums und für die Unterstützung durch den StuRa bedanken. Ohne diese wäre die Durchführung der Veranstaltung in dieser Form nicht möglich gewesen!

Die endgültigen Forderungen

1. Solidarisierung mit Fridays for Future

Wir, die Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena, solidarisieren uns mit der aktuellen Klimabewegung, insbesondere der Fridays for Future Bewegung. Diese fordert die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und des 1,5°C-Ziels. Wir, die Studierenden der FSU Jena, empfehlen dem StuRa der FSU Jena, die FSU Jena und sämtliche ihr angeschlossenen Institutionen aufzufordern, sich mit den Zielen des Parisers Klimaabkommens zu solidarisieren.

2. Anerkennung des Klimanotstandes

Wir fordern die FSU Jena auf, dem Stadtratsbeschluss zum Klimanotstand folgend, in allen Entscheidungen der FSU das Bekämpfen der Klima- und Ökologiekrise zu priorisieren. Dies soll unter Einbeziehung von lokalen, globalen und intergenerationalen Gerechtigkeitsaspekten erfolgen.

3. Nachhaltiges Leitbild und Profillinien der Universität

Wir fordern die FSU Jena dazu auf, Nachhaltigkeit als zentralen Bestandteil in ihrem übergeordneten Leitbild zu verankern. Hierzu begrüßen wir den Apell der Hochschulrektorenkonferenz von 2018, an deutschen Universitäten eine "Kultur der Nachhaltigkeit" zu etablieren und fordern eine konsequente Umsetzung.

3.1 Nachhaltigkeit in Bildung und Forschung

Im Sinne ihres Bildungsauftrags soll die Universität ihre Lehre und Forschung auf die Dringlichkeit der Klimakrise ausrichten. Um die grundlegende Ausrichtung aller universitärer Forschungsarbeiten und Lehrtätigkeiten im Sinne der Nachhaltigkeit sicherzustellen, sollen die bisherigen Profillinien der FSU "Light, Life, Liberty" jeweils um den inhaltlichen Zusatz der Nachhaltigkeit ergänzt werden. Die Freiheit von Lehre und Forschung darf dabei unter keinen Umständen eingeschränkt werden.

3.2 Kommunikation der Thematik

In der externen Kommunikation der Universität sollen die Themen Klimakrise und nachhaltige Transformation prominenter platziert werden. Im internen Austausch mit Lehrenden und Forschenden soll die Universität anregen, mit Nachhaltigkeit assoziierte Fragen- und Problemstellungen mehr Gewicht zu verleihen.

3.3 Interdisziplinarität

Die Universität soll nachhaltige Entwicklung als fakultätsübergreifendes Profilfeld in Lehre und Forschung ausbauen und bereits bestehende Forschung und Lehre zu Nachhaltigkeitsthemen weiter fördern. Wir verlangen mehr Lehre und Forschung zu alternativen Gesellschaftsformen, welche nicht auf unbegrenztem ökonomischem Wachstume basieren.

3.4 Anreize

Die Universität soll im Rahmen eines Bildungsangebotes aktiv Anreize zur Auseinandersetzung mit ökologisch-nachhaltigen Themen setzen. Dies könnte durch ein erwerbbares Zertifikat zum Thema Nachhaltigkeit erreicht werden, welches für Studierende und Nicht-Studierende kostenlos sein soll.

4. Emissionsneutraler Betrieb der Universität und des Studierendenwerks

Wir fordern sowohl die FSU Jena als auch das Studierendenwerk Thüringen auf, eine umfassende Energiebilanz spätestens bis zum 31.12.2020 anzufertigen und offen zu legen.

Auf Grundlage dieser Berichte fordern wir die Universität und das Studierendenwerk auf, nicht wie bisher vorgesehen bis 2030, sondern bereits zum 31.12.2025 die CO2-Emissionen und den Energiebedarf in den Teilbereichen (Mobilität, Gebäudemanagement, Mensaangebot) auf ein Minimum zu senken. Für unvermeidbare Emissionen fordern wir ein universitätsinternes Konzept für Kompensationsmaßnahmen. Kompensationszahlungen sollen zur Finanzierung nachhaltiger Projekte innerhalb der FSU Jena verwendet werden.

4.1 Mobilität

Im Hinblick auf die Mobilität aller Statusgruppen der Universität sollen Anreize geschaffen werden, eine klimafreundlichere Fortbewegung zu wählen.

Wir fordern mehr und geschützte Fahrradständer, ein Fahrrad- und Lastenrad-Leihsystem, eine kostenlose und ausreichend große Fahrradselbsthilfewerkstatt, höher bezuschusste ÖPNV-Tickets für Mitarbeitende, eine öffentliche Positionierung für kostenlosen ÖPNV sowie für eine autofreie Innenstadt. Die FSU soll Dienstreisen in diesem Zusammenhang auf ein Minimum reduzieren. Kurzstreckenflüge (alle Distanzen, die in unter 10 Stunden mit anderen Verkehrsmitteln überbrückt werden können) sollen nicht finanziert werden. Im Ausgleich soll die notwendige Infrastruktur für Audio- und Videokonferenzen ausgebaut werden. Neuanschaffungen für den Fuhrpark der Universität sollenAntriebe haben, die keine fossilen Brennstoffträger verwenden.

4.2 Gebäudemanagement

Bei allen nötigen Bauvorhaben der FSU Jena sollen ökologische und klimaneutrale Standards angewendet werden. Dies beinhaltet vor allem die energieeffiziente Isolierung universitär genutzter Gebäude.

Darüber hinaus sollen auf Basis einer Potentialanalyse bezüglich erneuerbarer Energien auf den Flächen der Universität entsprechende Ausbaumaßnahmen ergriffen werden. Zusätzlich muss die FSU Jena das Heizsystem im Sinne eines nachhaltigen Gebäudemanagements überarbeiten.

Die Gebäudevorgaben sollen explizit auch für das Studierendenwerk gelten.

4.3 Verwendung von Eigen- und Fremdkapital

Um universitätsinterne Anreize zu ökologisch nachhaltigen Forschungsarbeiten zu schaffen, sollen Mittel innerhalb der Universität zugunsten ökologisch nachhaltiger Forschungsarbeiten umverteilt werden (z.B. könnte hierfür der bisher ausgezahlte "Overhead" bei entsprechenden Projekten zu 50% zurückgezahlt werden). Zusätzlich fordern wir die FSU auf, im Rahmen der anzufertigenden Energiebilanz transparente Angaben über ihre Kapitalanlagen zu tätigen. Eventuelle Beteiligungen an klimaschädlichen Fonds sollen beendet werden.

4.4 Mensaangebot

Der Emissionsabdruck der jeweiligen Essensangebote in den Mensen soll den Studierenden durch das Studierendenwerk Thüringen transparent gemacht werden.

Um die Lebensmittelverschwendung in den Mensen weiter zu verringern, sollen nicht verkaufte Mittagsgerichte am Abend vergünstigt angeboten werden.

Darüber hinaus sollen zu diesem Zweck mögliche Kooperationen mit Initiativen wie Foodsharing angestrebt werden.

Die Nutzung plastikfreier Verpackungsformen soll in allen Einrichtungen der FSU unterstützt und ausgeweitet werden.

Statt sozial schädlicher und umweltbelastender Markenprodukte sollen in Zukunft nachhaltig wirtschaftende Anbieter unterstützt werden.

Das Essensangebot der Hauptmahlzeiten soll in jeder Mensa und Cafeteria zu über 50% vegetarisches und davon mindestens 50% veganen Gerichten bestehen. Diese sollen günstiger als die nicht-veganen Alternativen sein und insbesondere zu den hochfrequentierten Zeiten in den Mensen in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen.Um diese Ziele zu erreichen, fordern wir den Verwaltungsrat der FSU Jena dazu auf, die in diesen Bereichen durch das Studierendenwerk bereits angestoßenen Bestrebungen zu unterstützen. Zusätzlich fordern wir den Verwaltungsrat der FSU Jena dazu auf, die Subventionierung regionaler, fleischloser Produkte verstärkt voranzutreiben, um fleischlose und somit emissionsärmere Verpflegungsangebote für die Studierendenschaft attraktiver zu machen.

Die Studierenden fordern das Studierendenwerk dazu auf, eine erneute Mensaumfrage durchzuführen.

Wir fordern ein Sharing-Regal für Nicht-aufgegessenes Essen in der Mensa.

4.5 Standard-Suchmaschine

Wir fordern die FSU Jena dazu auf, die Standard-Suchmaschine auf allen PCs der Universität zu Ecosia zu ändern. Von den generierten Einnahmen werden Bäume gepflanzt, die einen Teil der CO2-Emissionen kompensieren.

5. Implementierung und Überprüfbarkeit der Forderungen

Wir fordern die Schaffung hauptamtlicher Stellen, die für die Offenlegung von nachhaltigkeitsrelevanten Daten sowie der fakultätsübergreifenden Implementierung unserer Forderungen verantwortlich sind. Natürlich sollen diese auch weitere Maßnahmen für die Gestaltung einer klimafreundlicheren Universität anregen und durchsetzen.

Mit dieser Forderung unterstützen wir ausdrücklich den bereits bestehenden Antrag des Umweltreferates des Studierendenrates für die Einrichtung eines Green Office. Wir fordern die Unileitung auf, jährlich einen Bericht über die Fortschritte zur Umsetzung der aufgeführten Forderungen zu erstellen und zu veröffentlichen.

6. Weiteres

6.1 Kooperation

Die FSU soll insbesondere mit Schwesteruniversitäten und der Landespolitik kooperieren, um die Forderungen auch außerhalb der Universität voranzutreiben.

6.2 Vorbildfunktion

Die FSU Jena soll Wegbereiterin der sozial-ökologischen Transformation unserer Gesellschaft sein und zu der derzeitigen wachstumsorientierten und klimaschädlichen Wirtschaftsordnung Alternativen diskutieren.

6.3 Verhandlungen

Wir fordern die Universitätsleitung auf, bis spätestens Mitte Januar auf die beschlossenen Forderungen einzugehen und mit den Studierenden in Verhandlung darüber zu treten.

6.4 Ressourcennutzung durch Studierende

Wir empfehlen dem StuRa der FSU Jena, die Studierenden der FSU Jena zu folgendem aufzufordern: Alle Studierenden sollen die FSU Jena bei der Umsetzung der Forderungen unterstützen, indem diese sparsam mit den Ressourcen der FSU Jena umgehen. Hier sei beispielhaft das Schließen von Fenstern beim Verlassen von Räumen im Winter angesprochen oder das Entsorgen von Abfällen in dafür vorgesehenen Behältern.

Protokolle der Studierenden-Vollversammlung und der Studierenden-Versammlung vom 26.11.2019

https://www.dropbox.com/sh/zqbut81or9j2zej/AAAlZ-f5R0h7yaH4TqD3w4mJa?dl=0


Die Ergebnisse der Abstimmung

Erstellen Sie Ihre Webseite gratis! Diese Website wurde mit Webnode erstellt. Erstellen Sie Ihre eigene Seite noch heute kostenfrei! Los geht´s